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Blog

68. Plenarsitzung: Neue Verfahren in der Gentherapie

Thema:

Neue Verfahren in der Gentherapie

Plenarprotokoll:

Redetext:

Stephan Albani (CDU/CSU):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

Zu später Stunde ein durchaus schweres Thema.

Bevor ich mich dem Antrag der FDP widme, möchte ich in eigener Sache einen kurzen Gedanken vorwegschicken. Ich bin Sohn eines Kinderarztes, und ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich in den 80er-Jahren von meinem Vater auf Station mitgenommen wurde und ein in meinen Augen vermeintlich gesundes Kind dort liegen sah, einen kleinen Jungen. Ich fragte: Papa, warum liegt der da? Er sieht doch gesund aus. – Mein Vater antwortete: Er leidet an einer genetisch bedingten Stoffwechselkrankheit. – Dann sagte er noch etwas, woran ich mich bis heute erinnere: Er wird sterben, und wir können ihm nicht helfen.

An die verzweifelte Aussichtslosigkeit dieser Worte meines Vaters habe ich mich wieder erinnert, als ich mich als Bundestagsabgeordneter zum ersten Mal vor einigen Jahren mit dem Thema CRISPR/Cas9 auseinandersetzen durfte. Hier haben wir zum ersten Mal die Chance, den Saum, den Zipfel der Möglichkeiten zu ergreifen, diesen Menschen vom Grunde her helfen zu können. Das ist gut,
und dafür müssen wir investieren. Das ist keine Frage.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)

Aber Achtung! Auf der Zielgeraden können leicht Fehler geschehen. Unter diesem Aspekt setze ich mich mit Ihrem Antrag auseinander. So sehr ich Ihre Begeisterung für die Technik teile, so sehr muss man sagen, dass schon die erste Forderung ein Problem für mich ist: „ . . . die Chancen vor den Risiken . . . zu sehen“.

(Beifall der Abg. Dr. Petra Sitte [DIE LINKE])

Das ist nicht richtig. Chancen und Risiken müssen gleichermaßen und angemessen wissenschaftlich bewertet werden. Es geht hier nicht um ein Mehr oder Weniger, es geht auch nicht darum, Risiken höher zu bewerten als Chancen, sondern darum, sie in angemessener Art und Weise zu bewerten, trotz aller Euphorie für das Verfahren.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie der Abg. Dr. Petra Sitte [DIE LINKE])

Der zweite Punkt. Eine Studie, die von einer Arbeitsgruppe der Charité vor vier Wochen veröffentlicht worden ist, zeigt, dass der menschliche Körper gegen das in CRISPR/Cas9 enthaltene Eiweißmolekül Cas9, das aus Streptokokken oder auch aus Staphylokokken gewonnen wird, eine Immunreaktion zeigen kann. Das verdeutlicht an dieser Stelle: Vorsicht an der Bahnsteigkante! Hier ist Forschung noch notwendig. Das tut diese Arbeitsgruppe, und das muss man machen. Da sollte man nicht zu euphorisch glauben, dass man das Ziel schon erreicht hat.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Dr. Petra Sitte [DIE LINKE] – Zuruf von der FDP: Das hat er gesagt!)

– Ja, aber dann ist die siebte Forderung hinsichtlich der Konkretisierung des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung unnötig. Denn im Rahmenprogramm steht, dass wir seitens des BMBF die interdisziplinäre Grundlagenforschung im Bereich der Gentechnik und die Gesundheitsforschung zur nutzbringenden Anwendung des Genome Editing fördern wollen und nicht zuletzt die Reflexion über die Forschungsergebnisse unterstützen und einen Anreiz zur gesellschaftlichen Debatte geben wollen. Das ist gut und richtig so. Das steht da alles drin; das muss man gar nicht fordern. Lektüre hilft da.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU sowie des Abg . René Röspel [SPD])

Der nächste Punkt ist die Frage einer ethischen Debatte, die Transparenz schafft. Auch die ist notwendig; das hat das Experiment in China gezeigt. Auch hier ist wiederum Vorsicht geboten; denn ob das alles so stattgefunden hat und dergleichen mehr, ist noch völlig ungeklärt. Was aber stattgefunden hat – und das ist richtig so –, ist, dass die wissenschaftliche Community klar gesagt hat: Das geht so nicht. Insofern müssen wir hier, zurück zum Anfang kommend, sagen: Chancen und Risiken müssen wir gleichermaßen bewerten. Das Verfahren ist eine große Chance. Wir müssen hier wissenschaftlich investieren, die besten Forscher daransetzen. Bezüglich Ihres Antrages sage ich: Ich teile Ihre Begeisterung. Am Anfang sind Sie aber zu euphorisch, in der Mitte steht Unnötiges, und am Ende gehen Sie zu weit. Deswegen lehnen wir ihn ab. Entschuldigung. Ich habe drei Minuten für den Nachtschlaf gerettet.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)