Thema:
Antragsberatung: Von der Werkhalle bis zur Pflegestation – Die berufliche Bildung als Rückgrat unserer Gesellschaft stärken
Plenarprotokoll:
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Der Titel Ihres Antrags, liebe Grünen, trifft es: Berufliche Bildung ist das „Rückgrat unserer Gesellschaft“.
(Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jawoll! Auf Stephan ist Verlass!)
Ob Heizung, Bus, Bäckerei oder Pflege: Dahinter stehen Menschen mit guter, solider Ausbildung. Unseren Ausbildungsbetrieben und Ausbildern dafür ein explizites, herzliches Dankeschön!
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Das von Ihnen beschriebene Passungsproblem ist real. Junge Menschen suchen Ausbildungsplätze, Betriebe suchen Auszubildende, nicht immer finden beide zusammen. Das ist ein Problem. Dann kommen Ihre 29 Forderungen – ein wahrer bildungspolitischer Schrotschuss!
(Zuruf der Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Ich habe Ihren Antrag zweimal gelesen. Er liest sich wie ein Wunschzettel – von der Kita bis zur Gründerwerkstatt, vom Dienstrad bis zur Starthilfe, und immer wieder gemeinsam mit den Ländern. Das ist bemerkenswert ehrlich; denn der Bund kann das alleine gar nicht.
(Zuruf der Abg. Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Wir schreiben hier keinen einzigen Lehrplan. Die sehr geschätzte Kollegin Asar wird Ihnen als ehemalige Staatssekretärin die Länderperspektive gerne nahebringen, über die wir hier immer so locker reden. Zwei Punkte zeigen zudem das Grundproblem Ihres
Antrages:
Erstens. Sie wollen die Mindestausbildungsvergütung deutlich erhöhen und zugleich eine Ausbildungsprämie zahlen, damit kleine Betriebe das stemmen können. Erst belasten, dann subventionieren – eine Art Bildungstango mit Kreiseln auf der Stelle! Fragen Sie einen Handwerker mit fünf Beschäftigten, was mehr hilft: eine Prämie mit neuen Antragsverfahren oder ein Jahr ohne neue Vorschriften. Ich glaube, die Antwort ist klar.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Zweitens: die psychische Belastung von Auszubildenden. Da bin ich bei Ihnen: Wer wegen Überforderung abbricht, geht uns doppelt verloren – als junger Mensch mit Perspektive und als Fachkraft von morgen. Über Coaching, Mentoring und multiprofessionelle Teams kann man gerne reden. Bei Ihnen sind das die Punkte 20 bis 22. Solche Themen verdienen einen eigenen Antrag – klare Orientierung und kein Sammelbehälter, kein Schrotschuss!
(Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schreiben Sie doch einen eigenen Antrag!)
Dann kommt bei Ihnen der Deutsche Qualifikationsrahmen.
(Zuruf der Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Anja, wir sind da ja längst weiter; seine rechtliche Verankerung steht im Koalitionsvertrag und ist in der Umsetzung. Meister und Bachelor, geprüfter Betriebswirt und Master stehen auf derselben Stufe. Die Umsetzung erfolgt in dieser Legislatur.
(Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, wann denn?)
Meine Damen und Herren, wir brauchen keine 29 Forderungen. Wir brauchen Dinge, die wirken,
(Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann macht doch was! – Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
zum Beispiel weniger Bürokratie für Ausbildungsbetriebe. Jeder Formularberg ist ein Grund mehr, keinen Ausbildungsplatz anzubieten. Eine individuelle, zielführende Berufsorientierung ist ein weiterer Punkt, der helfen würde, aber nicht dieses Sammelsurium von Maßnahmen. „Ich mache eine Ausbildung“ soll man mit Stolz und Freude sagen können. Wer eine Ausbildung macht, entscheidet sich nicht gegen etwas, sondern für etwas: für Können und für Verantwortung für uns alle und für unser
Land.
Herzlichen Dank.